Das Lindenfelser Museum

Die Lindenfelser Postkutsche - erstes "Regionales Kulturerbe des Kreises Bergstraße"


Die Postkutsche in 4er-Anspannung beim Hessentag 2014 in Bensheim
Auszeichnung 2014 beim Hessentag
Sonderbriefmarke, erschienen 2014

Die Postkutsche Lindenfels-Bensheim der im März 1863 eingerichteten Personenpostlinie repräsentiert die Teilhabe unserer Region an der Geschichte und dem Ausbau des Verkehrswesens. Die parallel dazu geplante Bahnlinie – als Verbindung in den Odenwald scheiterte an den Kosten und der Problematik der Natur- und Landschaftszerstörung. Mit der Postlinie erhielt die Region des Odenwaldes jedoch Anschluss an die prosperierende Bergstraße.

Genau am 27. März 1863 nahm die Postverbindung den Betrieb auf. Einmal pro Tag verkehrte diese und hatte nach Bensheim die Stationen Schönberg, Elmshausen, Reichenbach, Gadernheim und Lindenfels. Von dort fuhr sie ab 1868 direkt weiter nach Reichelsheim. Das Bahnzeitalter läutete letztendlich das Ende des Postkutschenzeitalters im 19. Jahrhundert ein. Die Lindenfelser Postkutsche funktionierte immerhin noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Dann wurde auch sie von dem nächsten neuen Verkehrsmittel – dem Automobil – überholt.

Die Postkutsche gilt als vielleicht letztes materielles Zeugnis des Postkutschenzeitalters im Kreis Bergstraße. Sie steht exemplarisch für die große Bedeutung des Postwesens im Kreis Bergstraße und belegt dessen Funktion als eine zentrale Verkehrs- und Scharnierregion in Deutschland.

Die historische Postkutsche ist im Museum in Lindenfels zu sehen. Die Auszeichnung als erstes „Regionales Kulturerbe des Kreises Bergstraße“ im Jahr 2014 bestätigt die Bedeutung  und erinnert an die Aufgabe der zukünftigen Gestaltung einer zu Menschen und Landschaft passenden Infrastruktur des Kreises Bergstraße.

Postkutsche_Auszug_BA_175_Jahre.pdf

Bericht zur Postlinie Lindenfels - erschienen in der Sonderausgabe 175 Jahre Bergsträßer Anzeiger (2007)

Landrat Christian Engelhardt (rechts) übergibt, im Beisein von Bürgermeister Michael Helbig (Mitte), eine Plakette, die auf die Bedeutung der historischen Lindenfelser Postkutsche hinweisen soll, an Museumsleiter Jan Hohmann.

Fingerzeig auf verborgene Schätze

Die Ende des 19. Jahrhunderts gebaute Lindenfelser Postkutsche ist ein seltenes Kulturgut, das noch heute im Museum der Burgstadt besichtigt werden kann. Das restaurierte, gelbe Gefährt – das von 1863 bis etwa 1910 regelmäßig zwischen Lindenfels und Bensheim verkehrte und sowohl Fahrgäste als auch Post transportierte – ist sogar einmal im Jahr während des Umzuges zum Lindenfelser Burg- und Trachtenfest „in Fahrt“ zu erleben. Bereits 2014 war die historische Postkutsche vom entsprechenden Arbeitskreis des Kreises Bergstraße zum „Regionalen Kulturerbe“ erklärt worden. Nun soll auch eine entsprechende Plakette an der Museumsmauer auf diese besondere Auszeichnung hinzuweisen. In dieser Woche übergab Landrat Christian Engelhardt das speziell angefertigte Hinweisschild an Museumsleiter Jan Hohmann.

„Die Lindenfelser Postkutsche ist ein wertvolles Kleinod, das eindrucksvoll die Geschichte der Region illustriert“, so Landrat Engelhardt. „Solche und andere Kulturschätze wollen wir mit Hilfe der Plakette und anderer Aktionen aus ihrem eher verborgenen Dasein befreien und sie verstärkt der Öffentlichkeit präsentieren“, betonte der Chef der Kreisverwaltung.

Bisher hat der regelmäßig tagende Arbeitskreis des Kreises Bergstraße vier Mal die Auszeichnung „Regionales Kulturerbe“ vergeben. Neben der Lindenfelser Postkutsche wurden die Sammlung des Langbein-Museums in Hirschhorn, die Burg Stein mit Fährhausturm und historischer Museumssammlung in Nordheim sowie die Sammlung des Museums in Zwingenberg ausgezeichnet. Auch in diesem Jahr wird ein kultureller Schatz der Region prämiert werden. Ausgezeichnet werden ausschließlich gefährdete oder bewegliche Kulturgüter aus dem Kreis Bergstraße.